Kleine Geldkunde

kleine Geldkunde

Die Geschichte des Geldes und der Münzprägung

Schon vor Jahrhunderten begeisterten Münzen die Menschen, waren sie doch z.T. kleine Kunstwerke, auf denen sich Geschichte abspielte, Mythen erzählt oder Fürsten geehrt wurden. Und ebenso wie Münzen im Laufe der Zeit für Historiker an Bedeutung gewannen, fanden auch die Sammler ein Interesse daran historische oder auch noch gültige Münzen zu sammeln, sich an ihrer künstlerischen Gestaltung zu erfreuen und sich mit ihrer Geschichte zu befassen.

Entstehung des Geldes

Der Handel in früheren Zeiten war meist ein reines Tauschgeschäft, das heißt derjenige der mehr Waren produzierte als er selbst verbrauchte, tauschte Ware gegen Ware. Im Laufe der Entwicklungsgeschichte der hiesigen Bevölkerung wurden immer größere Mengen an Waren an immer mehr Orten gehandelt. So war es bald notwendig geworden ein Tauschmittel, als eine Art Zwischengut zur Verfügung zu haben, das den freien Handel ermöglichte und als eine Art Wertmesser diente und gut transportabel war. Als Tauschmittel fungierten eine Menge Dinge, Felle, Salz, Korn und Edelmetalle waren einige davon. Das Edelmetall setzte sich schließlich als Tauschmittel durch, war es doch selbst kein Verbrauchsgut. Dieses Edelmetall in Form von Metallstücken musste nun so bei jedem Tausch gewogen werden um den Wert festzustellen. Später beurkundete die Obrigkeit den Wert des Metallstücks mit entsprechenden Stempelaufdrücken. Die Münze war geboren.

Historie des Geldes in Stichpunkten:

ca. 4000 v. Chr. In China wird neben Jade und Perlen als Zahlungsmittel sog. Gerätegeld benutzt. Dies sind zumeist kleine Bronzenachbildungen von Spaten und Hacken.
3100 v. Chr. Im alten Ägypten dient Gold bereits als Zahlungsmittel. Es wird in kleine Goldbarren gegossen, in das der Name des Pharaos eingeschlagen wird.
1700 v. Chr. Unter König Hammurabi wird Silber bereits als Metallgeld verwendet. Es war aber noch nicht staatlich nominiert und wurde auch noch nicht zu Münzen geprägt, sondern musste jew. abgewogen und zurechtgehackt werden (sog. Hacksilber). Erste Bankvorläufer entstanden.
600 v. Chr. Im Lyderreich, in Kleinasien entsteht das älteste bisher bekannte Edelmetallmünzgeld. Geprägt wurde aus einer Legierung von Gold und Silber (sog. Elektron). Zur gleichen Zeit entsteht im Stadtstaat Athen die Drachme.
594 v. Chr. In Athen wird eine offizielle Silberwährung eingeführt. Als Grundlage dient das Talent zu 26 Kilogramm, bestehend aus 60 Minen zu jew. 100 Drachmen.
550 v. Chr. Krösus läßt als König von Lydien erstmals im großen Stil Goldmünzen prägen. Diese sind mit Silbermünzgeld offizielles Zahlungsmittel. Krösus war vor allem für seine ungeheure Schatzkammer bekannt, wo er Goldmünzen hortete und mit denen er gegenüber seinen Gästen protzte.
510 v. Chr. Im Perserreich entsteht eine bimetallene Währung. Im einen Teil des Reiches kursieren Goldmünzen als Zahlungsmittel, im anderen Teil Silbermünzen.
445 v. Chr. In Griechenland entstehen erste private Banken. Das Geldwesen wird gesetzlich geschützt.
428 v. Chr. In Athen wird erstmals eine Vermögenssteuer eingeführt.
423 v. Chr. In Athen wird der Handel mit ausländischen Münzen verboten. Der Händler muss seine Münzen umtauschen.
400 v. Chr. Nachdem Athen die Silbergewinnung gesteigert hatte, kommt es durch die erhöhte Geldmenge zur Inflation. Die Zeit der Geldfälschungen beginnt.
336 v. Chr. Alexander der Große führt in seinem Weltreich ein einheitliches Münzsystem auf Grundlage des Athenischen Münzfußes ein. Kupferkleingeld entsteht.
289 v. Chr. Das römische Reich führt die offizielle Münzprägung ein.
214 v. Chr. Im römischen Reich wird der Silberdenar gesetzliches Zahlungsmittel.
23 v. Chr. Kaiser Augustus führt im römischen Reich ein feste Währungs- und Geldordnung ein. Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber wird gesetzlich mit 1 zu 12,5 festgelegt.
63 Unter dem römischen Kaiser Nero kommt es zur ersten großen Inflation der Weltgeschichte, er ließ, um mehr Gewinn zu erzielen, den Feingehalt und das Gewicht der Münzen senken.
195-306 Im römischen Reich kommt es immer weiter zu einer Verschlechterung der Münzprägung. Der Silbergehalt der Denare sinkt stetig soweit, bis nur noch Silberspuren vorhanden sind.
294 Im römischen Reich wird unter Kaiser Diokletian eine neue Münzwährung geschaffen, die Grundlage bildet der Follis, eine Bronzemünze.
306-337 Konstantin der Große erschafft eine neue Münzordnung. Als Grundlage dient der Solidus als Goldmünze. Aus einem Pfund werden 72 Solidi geschlagen (röm. Pfund= 327,45 Gramm).
350-400 Im untergehenden römischen Reich beginnt die Rückbildung von der Geldwirtschaft zur Naturalwirtschaft.
477 Die Vandalen prägen erstmals Silbermünzen nach dem Dezimalsystem.
585 Erstmals wird im Frankenreich der „Zehnt“ als Naturalabgabe eingeführt. Diese Abgabeform überdauert bis in die Neuzeit.
697 Die Araber schaffen sich ein eigenes Münzwesen, mit dem Denar als Goldmünze an der Spitze.
726 In Byzanz wird die Bilderverehrung verboten. Die Münzbilder in ganz Europa verändern sich grundlegend.
755 Die Karolingische Münzreform beginnt. Aus einem karolingischen Pfund Silber (491 Gramm) werden 20 Schilling (Solidi) zu je 12 Pfennigen (Denare) geschlagen. In Frankreich erhält sich diese Rechenweise bis zur franz. Revolution. In England sogar bis 1971.
794 Durch Karl den Großen setzten sich die silbernen Denare in ganz Europa durch und werden bis zum ausgehenden Mittelalter zu der bestimmenden Münze.
818 Unter Ludwig des Frommen entsteht die erste Strafvorschrift gegen Falschmünzerei. Als Strafe dient das Abschlagen der Hand. (Diese unfeine Sitte bewahrt sich in Mitteleuropa für lange Zeit)
975 Als erster Feudalherr in Deutschland prägt der Erzbischof von Mainz unter eigenem Bild als unter dem des Königs.
1045 Die Mark wird erstmals urkundlich als Gewichtseinheit zu 233,7 Gramm erwähnt.
1064 Der Ablaßhandel der Kirchen, indem sich Sünder mit Geld freikaufen beginnt.
1096 Das Kreuzzugszeitalter beginnt. In Europa kommt viel Geld in Bewegung, Banken entstehen.
1137 Das einheitliche Münzwesen in Deutschland löst sich auf, der regionale Pfennig entsteht.
1170 Unter Friedrich Barbarossa entstehen die ersten Brakteaten, die so genannten Blechpfennige. Diese Münzen sind jew. nur regional gültig und werden teilweise jährlich durch den Landesfürsten widerrufen und müssen eingetauscht werden, natürlich immer mit Gewinn für Münzmeister und Landesherrn.
1180 In England entsteht eine Handelsmünze namens „easterling“. Dieser Name lebt in der Bezeichnung Sterling (wie Pfund Sterling, Sterling Silber) weiter.
1226 Als erste deutsche Stadt erwirbt Lübeck das Münzrecht.
1252 In Florenz entsteht eine neue Handelsgoldmünze, der Florenus. Der Name der ungarischen Währung Forint erinnert noch heute daran.
1263 Graf Meinard II. gründet die Grafschaft Tirol und läßt eine neue Münze, mit einem darauf abgebildeten Andreaskreuz prägen. Der „Kreuzer“ entsteht.
1266 Der französische König Ludwig IX. läßt den ersten Groschen, als Zusammenfassung von 12 Pfennigen prägen.
1280 Marco Polo berichtet über die Erfindung des Papiergeldes in China.
1282 In Venedig wird mit der Prägung des Golddukaten begonnen.
1356 In Frankreich entsteht der Franc.
1368 In der Ming-Dynastie in China entsteht der größte Geldschein der Welt, er ist 23 mal 32 cm groß.
1409 Die erste Börse Europas entsteht in Brügge.
1484 Herzog Siegmund von Tirol läßt 60 Kreuzer im Wert eines rheinischen Gulden zu einem Guldengroschen prägen. Die Talerzeit beginnt
1520 Der Graf von Schlick läßt im Joachimstal den ersten Großgroschen prägen. Diese „Joachimstaler“ geben später dem Taler seinen Namen.
1524 Karl V. erlässt die erste Reichsmünzordnung, danach wird die Kölner Mark zu 233,80 Gramm zum neuen Gewichtsstandard.
1525 Nach der Gründung der ersten Münzstätte durch die spanischen Kolonialherren in Mexiko entsteht der Piaster.
1551/1559 Nach der zweiten und dritten Reichsmünzordnung wird der Reichsguldiner zu 60 Kreuzer geschaffen. Der Reichstaler wird nun im 9-Talerfuß aus der Mark Silber geschlagen. Es vollzieht sich die Trennung in Taler- und Guldenländer.
1560 Die Vorläufer erster Terminmärkte entstehen in Holland.
1605 Die erste Staatsbank Europas entsteht in Rom durch Papst Pius VI.
1618-1623 Die durch den Dreißigjährigen Krieg hervorgerufene „Kipper- und Wipperzeit“ führt zu einer drastischen Inflation in Mitteleuropa.
1659 Die schwerste Münze der Welt wird in Schweden geprägt. Das Stück aus Kupfer wiegt mehr als 22 Kilogramm.
1661 Das erste offizielle Papiergeld Europas entsteht in Stockholm.
1700 Die kleinste Goldmünze Europas entsteht in Nürnberg. Der 1/32 Dukat wiegt nur 0,1 Gramm.
1750 Der „Graumannsche Konventionsfuß“ wird in Preußen eingeführt. Danach werden aus einer Kölner Mark 14 Taler geprägt.
1753 Nach der Bayrisch-östereichischen Münzkonvention werden aus der feinen Kölner Mark Silber 10 Konventionstaler geschlagen. Diese Münzkonvention kommt vor allem in Süddeutschland zur Anwendung.
1759 Während des Siebenjährigen Krieges entsteht in Wien das erste Papiergeld der deutschen Länder.
1765 In Preußen entsteht die erste Notenbank Deutschlands. Sie ist die direkte Vorgängerin der Reichsbank.
1778 In Hamburg wird die erste deutsche Sparkasse gegründet.
1792 Der Dollar wird zur Währung in den Vereinigten Staaten. Sprachlich ist er vom Taler abgeleitet.
1816 Als erstes Land führt England die Goldwährung ein.
1828 In Rußland wird Platingeld eingeführt. Die Prägung wird 1845 wieder eingestellt.
1838 Die Zollvereinsstaaten beschließen die Dresdner Münzkonvention. Danach gelten zwei Währungsgebiete in Deutschland, das norddeutsche Talergebiet mit dem 14-Taler-Fuß und das süddeutsche Guldengebiet mit dem 24 1/2 Gulden-Fuß. 1 Taler gilt dann 1,75 Gulden.
1840 In Sachsen wird der Neugroschen auf Basis des Dezimalsystems eingeführt.
1849 Die erste deutsche Kreditgenossenschaft wird gegründet.
1857 Mit dem Wiener Münzvertrag wird das Zollpfund zu 500 Gramm eingeführt. Der Vereinstaler entsteht und wird im 30 Taler-Fuß geprägt.
1871 Nach Gründung des Deutschen Reiches tritt die Mark anstelle der bisherigen Taler oder Gulden. Die Goldwährung wird eingeführt.
1874 Die ersten Reichskassenscheine werden ausgegeben.
1907 Die Silbertaler werden außer Kurs gesetzt. Die Talerzeit in Deutschland ist vorbei. An die Stelle der Taler tritt ab 1908 das neu eingeführte Dreimarkstück.
1908 Der Postscheckverkehr wird in Deutschland eingeführt.
1914 Am Vorabend des Ersten Weltkrieges beträgt der gesamte Bargeldumlauf in Deutschland 8,7 Milliarden.
1915 Darlehenskassenscheine werden in Deutschland ausgegeben.
1916 Die Umsatzsteuer wird eingeführt. Steuerhinterziehungen werden erstmals unter Strafe gestellt.
1917 Die erste Kreditkarte wird in einem Chicagoer Kaufhaus erfunden.
1918 Nach Ende des Ersten Weltkrieges hat sich der Bargeldumlauf in Deutschland vervierfacht.
1921 Die Reparationsleistungen Deutschlands werden auf 132 Milliarden Goldmark festgelegt.
1922 In Deutschland beginnt die große Inflation. War ein Dollar 1914 noch für 4,20 Mark zu haben, so musste man am 20. November 1923 4,2 Billionen Mark dafür bezahlen. Insgesamt kursierten in dieser Inflationsphase 10 Milliarden Geldscheine im Gesamtwert von 3900 Trillionen Mark.
1923 Die deutsche Rentenbank wird gegründet. Die Rentenmark wird eingeführt, die durch hypothekarische Belastung des gesamten dt. Grundbesitzes gedeckt ist. Die Inflation ist beendet.
1929 Am 29.10. kommt es an der New Yorker Wallstreet zum großen Börsenkrach (Schwarzer Freitag). Es kommt zu vielen Zusammenbrüchen von Unternehmen und Banken und zu großer Arbeitslosigkeit.
1933 Die Nazis lassen neue 5-Markstücke prägen, diese haben 29 Millimeter Durchmesser und wiegen 13,889 Gramm. Diese Größennorm hat sich bis heute erhalten. Die 3-Markstücke werden aus dem Verkehr gezogen.
1936 Die Kriegsvorbereitungen der Nazis laufen auf Hochtouren. Lohn- und Preisstops werden erlassen. Preiserhöhungen werden verboten.
1938 Die Reichsmark wird in Österreich gesetzliches Zahlungsmittel.
1943 Hitler lehnt die Ausprägung von Münzen mit seinem Konterfei vorerst ab. Erst nach dem Endsieg sollen sie ausgegeben werden
1944 In Bretten Woods (USA) vereinbaren 44 Staaten ein internationales System fester Wechselkurse und eine Gold – Dollar Parität für die Nachkriegszeit. Die Errichtung der Weltbank und des internationalen Währungsfonds wird beschlossen.
1945 Nach Ende des Krieges werden in Deutschland z.T. Zigaretten, Schokolade und Kaffee zu einer Ersatzwährung.
1948 In Frankfurt wird die Bank deutscher Länder gegründet. Sie erhält das Münzprivileg bis 1950.
1948 Die D-Mark wird in der westlichen Besatzungszone eingeführt, die Ostmark im Osten.
1953 Die erste Gedenkmünze nach dem Zweiten Weltkrieg wird herausgegeben.
1957 Die deutsche Bundesbank beginnt als Nachfolgerin der Bank deutscher Länder.
1959 Die D-Mark wird im Saarland gesetzliches Zahlungsmittel.
1967 Aus der Deutschen Mark und danach der Mark der Deutschen Notenbank wird die Mark der Deutschen Demokratischen Republik.
1968 Der Eurocheque als eine Art europäisches Zahlungsmittel entsteht.
1971 Der Wechselkurs der D-Mark wird freigegeben.
1973 Das System fester Wechselkurse gem. den Beschlüssen von Bretton Woods zerbricht endgültig. Die Ära frei schwankender Wechselkurse beginnt.
1975 Die letzten Silbermünzen als Umlaufstücke werden ausgegeben. Danach werden nur noch Gedenkmünzen in Silber geprägt.
1975 Der Ecu wird als Kunstwährung geschaffen. Er setzt sich aus den Kursen der zwölf EG-Mitgliedstaaten zusammen.
1980 Erste Geldautomaten werden eingerichtet.
1987 Am 19. Oktober dem „Schwarzen Montag“ brechen die Kurse an den Weltbörsen drastisch ein. Allein der Dow Jones verliert fast 1/4 seines Wertes.
1990 Am 1. Juli beginnt die deutsche Währungsunion. Auf dem Gebiet der DDR wird die D-Mark eingeführt.
1992 Die Europäische Gemeinschaft beschließt die Einführung einer Gemeinschaftswährung bis 1999.
1999 Der Euro wird als Buchgeld eingeführt.
2002 Der Euro ersetzt endgültig die Landeswährungen in Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, in Österreich, Portugal und Finnland.